Um Sie herum könnten, überspitzt gesagt, die bezaubernde Jeannie und Darth Vader einen Tango tanzen: Sie bekämen davon nichts mit.


In diesem Artikel möchte ich zweierlei: mit einigen Vorurteilen „aufräumen“ und wesentliche Informationen geben – und zwar zu einem methodischen Instrument, das in meiner psychotherapeutischen Arbeit eine entscheidende Rolle spielt: die Hypnose bzw. Hypnotherapie bzw. Heilhypnose. Ich benutze diese drei Begriffe im therapeutischen Kontext mehr oder weniger synonym – und der Einfachheit halber sage ich im Folgenden: Hypnose.

Die Vorurteile bzw. Missverständnisse beziehen sich zunächst einmal auf das, was wir normalerweise, ganz allgemein, unter „Hypnose“ verstehen: Da geschehe etwas mit uns, das sich unserer Kontrolle entziehe – etwas jenseits unserer willentlichen Entscheidung, womöglich gar etwas „gegen unseren Willen“.

Genau das ist Hypnose eben nicht – im Gegenteil. Es geht dabei vielmehr darum, genau das herauszufinden und umzusetzen: den eigenen Willen. Hypnose ist eine Methode, sich dabei begleiten und helfen zu lassen – beziehungsweise, als Selbsthypnose: sich selbst dabei zu helfen.

Nehmen wir ein Beispiel aus dem Alltag: Eine Frau, die sehr gern mehr Sport machen würde oder, ganz allgemein gesagt: gern mehr an körperlicher Bewegung in ihrem Leben hätte. Das ist ihr erklärter Wunsch; und doch gelingt seine Umsetzung ihr nicht. Es fällt ihr schwer, mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren. Es kostet sie ungeheure Überwindung, abends noch eine Runde um den Block zu laufen. Oder zwei mal die Woche schwimmen zu gehen. Oder sich im Studio an Geräten fit zu halten. Oder... Es fällt ihr schwer, und im Endeffekt macht sie es kaum – sondern bewegt sich allenfalls in einer Frustrations-Endlosschleife.

Wie kann Hypnose hier helfen?

Man nennt Hypnose auch: innere Arbeit in Trance – und Trance ist ein bestimmter Bewusstseinszustand. Wir kennen ihn alle aus unserem ganz normalen Alltag – jede und jeder von uns ist täglich viele Male in einem Trancezustand. Wenn Sie beispielsweise ganz konzentriert bei der Sache sind: vielleicht lesen Sie einen extrem spannenden Roman ..., und von Ihrer Umgebung in diesem Moment nichts mitbekommen. Dann sind Sie in einem Trancezustand. Oder wenn Sie am PC sitzen, äußerst konzentriert arbeiten, vielleicht an einem Text schreiben, und sämtliche Geräusche um Sie herum dank dieser Konzentration gänzlich in den Hintergrund rücken – Sie sie eigentlich kaum noch oder gar nicht mehr wahrnehmen: Dann sind Sie in Trance. Es ist ein guter, ein produktiver Zustand: absolute Fokussierung der Wahrnehmung und der Aufmerksamkeit auf das aktuelle Tun, das Nachdenken und Formulieren. Um Sie herum könnten, überspitzt gesagt, die bezaubernde Jeannie und Darth Vader einen Tango tanzen: Sie bekämen davon nichts mit.

Es gibt auch anders geartete Trancezustände – und auch sie spielen in unserem Alltag eine wichtige Rolle. Wenn wir beispielsweise einen extrem schlechten Tag haben, wenn uns etwas große Angst macht, uns Sorgen belasten, wir unter extremer Anspannung stehen. Dann haben wir oftmals einen Tunnelblick, der uns ausschließlich das Negative wahrnehmen lässt: ausschließlich das Angstmachende, Belastende, Erschreckende. Auch dieser Tunnelblick ist ein Trancezustand: Er schärft die Wahrnehmung für genau das: das Belastende, Angstmachende, Erschreckende – und man nennt ihn auch: Problemtrance. Beispielsweise sind Menschen, die einen Unfall erlebt haben oder an einer schweren körperlichen Krankheit leiden, die vielleicht im Krankenhaus liegen, oder die gerade einen schweren Verlust erlitten oder anderes an Erschütterungen durchlebt haben, nicht selten in einer solchen Problemtrance. Es ist ein Sachverhalt, dessen sich unter anderem die Ärzte und das Pflegepersonal in der Notfallmedizin und im klinischen Alltag langsam bewusst werden – auf diesen Aspekt gehe ich im Artikel „Hypnose und Problemtrance“ ein.

Zurück zum Thema: Wie kann Hypnose der Frau helfen, die mehr körperliche Bewegung in ihren Alltag bringen möchte?

Ein klassisches und der Hypnosetherapie nicht gerecht werdendes Hypnoseverständnis besagt dazu, sinngemäß: In einem solchen Fall suggeriert der Hypnotiseur der Frau beispielsweise: Körperliche Bewegung mache ihr Freude. Und er bringt sie mittels Hypnose etwa dazu, ab heute regelmäßig abends eine halbe Stunde laufen zu gehen. Das ist schon mal eine ganze Menge. Tatsächlich kann eine Hypnotherapie indes noch ganz anderes: Dann findet die Frau heraus, was eigentlich ihr Problem und ihr Wunsch und vielleicht ihr Zielkonflikt ist. Was macht es eigentlich so schwer, den Wunsch nach mehr Bewegung umzusetzen? Was steht dem entgegen? Vielleicht Ängste, vielleicht andere Wünsche? Das kann wichtig sein und sehr hilfreich! Im Trancezustand – und in den versetzt sie die Hypnose – sieht die Frau selbst klar, wo vielleicht Ängste oder andere Wünsche die Umsetzung ihrer guten Absichten erschweren. Sie lernt die Hindernisse kennen – oftmals liegen diese gar nicht da, wo vermutet... Und sie findet vor allem heraus, welche Potentiale gerade diese „Hindernisse“ für sie bedeuten. Wie sie das, was es ihr vermeintlich so schwer macht, faktisch für sich nutzen kann. Sie begreift, ganz konkret, in der Hypnose, inwiefern ihre sogenannten „Schwächen“ tatsächlich Stärken sind. Inwiefern ein „Gegenwind“ tatsächlich Rückenwind sein kann. Diese Entdeckung wird ihr nicht etwa „von außen eingeredet“; es ist nicht etwa die Hypnotiseurin, die ihr dabei hilft, „Dinge umzudeuten“. Sondern diese Entdeckung und diese Erfahrung macht die Frau bei ihrer Trancearbeit aus sich selbst heraus, innengeleitet. Eine gute Hypnotiseurin ist ihr dabei lediglich eine gute Begleitung in methodischer Hinsicht: Sie hilft dabei, in eine gute Trance zu kommen und diese gut zu nutzen für das jeweilige Anliegen.

Eine gute Hypnosieurin ist, wie gesagt, lediglich Expertin für die Methode; die Inhalte sind allein Sache der Klientin, des Klienten. Hierin liegt die große Wirkmächtigkeit der Hypnose: Nur was wir selbst, aus uns selbst heraus, an Erfahrungen machen, ist tatsächlich nachhaltig von Wert für uns. Nicht das, was uns eingetrichtert wird, sondern das, was wir selbst entdecken – aus eigener Neugier und eigener Kraft –, bereichert uns effektiv: macht uns tatsächlich kompetent. Wird zum eigenen Potential. Insofern gilt: Hypnose ist wortwörtlich: Hilfe zur Selbsthilfe.

Das geradezu „Magische“ an der Hypnose ist: Durch den Trancezustand werden bei der Problemsuche und Lösungsfindung alle „Bewusstseinsschichten“ einbezogen – und das ist erfolgsentscheidend. Wenn eine Frage beispielsweise lautet: „Wie gelingt es mir mit Leichtigkeit und Freude, einen guten Vorsatz in die Tat umzusetzen?“ Dann ist das Magische an der Hypnose, in gewisser Hinsicht: Aus einem „guten Vorsatz“ wird ein dringlicher Wunsch – und dessen Erfüllung quasi „gleich mitgeliefert“. Hypnose ermöglicht sowohl den Zugang zur genuin eigenen Kreativität, um den „Rückenwind“ für sich zu entdecken, als auch die notwendige Energie dafür, ihn zu nutzen – als auch die Erfahrung, wie (gut) sich das anfühlt: den Wunsch umzusetzen. Denn Hypnose – Arbeit in Trance – bedeutet im Grundsatz nichts anderes als: genau diese gewünschte Erfahrung zu machen – und zwar exakt so, wie sie jeweils für einen am besten ist. Es ist dann eine Erfahrung, die – auch wenn die oder der Hypnotisierte gleichzeitig behaglich auf dem Sofa liegt – mit allen Sinnen gemacht wird, und die sich deshalb körperlich und psychisch nachhaltig verankert. Entscheidend dabei ist eben: der gute Trancezustand. Er eröffnet Zugänge zur genuin eigenen Kreativität und Energie und verhilft so zu stärkenden Erfahrungen – auf die sich zuverlässig bauen lässt.

Diesen guten Trancezustand zu erreichen und zu nutzen, ist auch in „Eigenregie“ möglich: als Selbsthypnose. Das lässt sich lernen, und ein guter erster Zugang dazu ist: das Schulen der eigenen Konzentrationsfähigkeit.


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